Freikorps v. Lützow - Traditionsverband Lützower Jäger von 1813 Kreis Herzogtum Lauenburg e.V.

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Freikorps von Lützow

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Im Winter 1812/1813, nach der Katastrophe Napoleons im Russlandfeldzug, wendete sich in Preußen das Blatt, weg von dem erzwungenen Bündnis mit Napoleon. Bei Hof wurde der Seitenwechsel Preußens vorbereitet. Auch Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen, die schon seit 1810 in Berlin das Turnen und Schwimmen gefördert und den geheimen Deutschen Bund gegründet hatten, drängten den preußischen Minister Hardenberg zur Sammlung einer Freischar, in der Freiwillige aus allen deutschen Staaten gegen Napoleon kämpfen sollten. Offenbar vereinbarte man damals die Gründung einer solchen Truppe. Denn noch bevor der König vertraulich von Gerhard von Scharnhorst und offiziell von Major von Lützow um die Errichtung eines von diesem zu führenden Freikorps gebeten wurde, trafen Jahn und Friesen am 29. Januar 1813 bereits am Sammelplatz Breslau ein. Dort warben sie in der Umgebung Freiwillige und bereiteten alles zur Aufnahme des zu erwartenden Ansturms vor. Lützows Truppe wurde im Februar 1813 mit offizieller Billigung unter dem Namen Königlich Preußisches Freikorps als reguläre Truppe des preußischen Heeres gegründet. Grundlage für die Aufstellung dieses und weiterer Freikorps war die Allerhöchste Kabinetts-Ordre (AKO) vom 3. Februar 1813 über die Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements, von der auch der Beiname „Lützower“ bzw. „Schwarze Jäger“ herrührt, obwohl nur ein kleiner Teil der Truppe tatsächlich aus Jägern bestand.

Vom am 5. Juni 1813 in Kraft getretenen Waffenstillstand erhielt Lützow erst am 9. Juni 1813 Kenntnis. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt mit jeweils rund 400 Mann Infanterie und Kavallerie bei Plauen hinter den feindlichen Linien. Statt sich entsprechend der Waffenstillstandsbedingungen binnen dreier Tage von dort zu entfernen, zögerte er und setzte seine Männer erst danach Richtung Leipzig in Marsch. Zahlenmäßig überlegene französische und württembergische Kavallerie unter Befehl des Generals François Fournier verstellten ihnen bei Kitzen den Weg und griffen am 17. Juni 1813 ohne Vorwarnung an. Ein Teil von Lützows Kavallerie wurde niedergemacht, das Gros der Infanterie konnte entweichen. Rund 150 Lützower gerieten in Gefangenschaft, wurden jedoch nicht als Kriegsgefangene behandelt, sondern von den Franzosen als bandits noirs betrachtet. Lützow und Theodor Körner entkamen nur mit Mühe schwer verletzt.Nach Streifzügen in Sachsen (speziell im Vogtland), Thüringen und Bayern kämpfte sich die Truppe im „Herbstfeldzug“ 1813 die Elbe flussabwärts und eroberte zusammen mit Kosaken Bremen. Das Freikorps musste aber die Stadt umgehend wieder räumen, als französische Verstärkung anrückte. Später kämpften sie, meistens Seite an Seite mit Kosaken, in Westfalen, Schleswig-Holstein und am Rhein. Teile der Kavallerie wurden Anfang 1814 in den Niederlanden und Nordostfrankreich eingesetzt. Theodor Körner wurde im August 1813 bei einem Gefecht in Mecklenburg getötet, Friedrich Friesen im März 1814 in den Ardennen.

Nach der ersten Abdankung Napoleons und dem Einmarsch der Alliierten in Paris 1814 wurden die nichtpreußischen Freiwilligen entlassen und aus dem Rest des Freikorps das Infanterie-Regiment Nr. 25 und das Ulanen-Regiment Nr. 6 gebildet. Als Napoleon im März 1815 aus der Verbannung zurückgekehrt war, wurden auch diese beiden ehemals Lützower Regimenter wieder mobilisiert. Lützow selbst wurde als Kommandeur des Ulanenregiments in der Schlacht von Ligny am 16. Juni 1815 schwer verwundet und gefangen genommen. Beide Regimenter nahmen an der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 teil, die zur endgültigen Niederlage Napoleons führte.

Das Freikorps rekrutierte sich ausschließlich aus Freiwilligen. In seinen Reihen dienten neben Preußen auch Bürger anderer deutscher Staaten, die dem Rheinbund angehörten bzw. wie das Herzogtum Oldenburg von Frankreich annektiert waren. Als Selbstversorger und -ausstatter erhielten die Soldaten keinen Sold und rüsteten sich selbst aus. Insgesamt dominierten unter den Freiwilligen die Handwerker, lediglich bei den Jägern gab es einen überdurchschnittlichen Studentenanteil. Das Freikorps verdankte seine Popularität nicht zuletzt seinen teilweise recht prominenten Mitgliedern, wie beispielsweise dem 1813 gefallenen Dichter Theodor Körner, der dem Freikorps das bekannte Lied Lützows wilde Jagd (Musik: Carl Maria von Weber) widmete. Weitere berühmte Mitglieder waren: der Turner Friedrich Friesen, der „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, Joseph von Eichendorff, der bedeutendste Dichter der deutschen Romantik, sowie der spätere Begründer der Kindergärten Friedrich Fröbel. Mit Eleonore Prochaska und Anna Lühring hatten sich heimlich auch zwei Frauen in den Dienst des Freikorps eingeschlichen.

Das Freikorps hatte zeitweise eine Stärke von über 3500 Mann, die sich 1814 wie folgt zusammensetzten:

Die Infanterie (insgesamt rund 2900 Mann) gliederte sich in drei Bataillone zu je vier Musketierkompanien und einem Jägerdetachment. Beim 2. Bataillon gab es statt der 3. Musketierkompanie eine starke Tiroler Schützenkompanie.
Die Kavallerie (insgesamt rund 600 Mann) gliederte sich in fünf Eskadronen, die mehrheitlich als Ulanen ausgestattet waren, während die 4.und 5. Eskadron Husaren waren. Die 2. Eskadron war anfänglich als Jäger zu Pferde organisiert.
Die Artillerie (insgesamt rund 120 Mann) bestand aus je einer schwachen Batterie zu Fuß und zu Pferde.
Die Uniformen waren grundsätzlich schwarz. Dies rührte daher, dass Schwarz der einzige Farbton war, der sich durch Einfärbung der in den Armeedepots bzw. auf dem Markt vorhandenenen unterschiedlichen Tuchvorräte herstellen ließ. Dazu kam Rot als Abzeichenfarbe der Vorstöße und goldfarbene Messingknöpfe. Musketiere, Artillerie und Ulanen trugen Litewkas, Husaren Dolman und Mente, eine mit Pelz verzierte Jacke, während die Schützen eine am österreichischen Vorbild orientierte hechtgraue Uniform mit hellgrünen Abzeichen trugen. Allgemein wurden Tschakos getragen, nur die Schützen hatten österreichische Jägerhüte. Die Lanzenfähnchen der Ulanen waren Schwarz-Rot.

Die schwarzen Uniformen wurden nach der Übernahme in die Linientruppen zunächst weitergetragen und erst nach Kriegsende durch vorschriftsmäßige preußischblaue ersetzt.


Gerhard Johann von Scharnhorst

Gerhard Johann von Scharnhorst (geb. 12.11.1755 in Bordenau/Hannover, gest. 28.6.1813 in Prag), preußischer Generalleutnant und Heeresreformer. Er leitete 1813 die Vorbereitungen zum Befreiungskrieg u.a. mit einem Konzept für den operativen Einsatz des Lützower Freikorps als eine Art Partisanentruppe.
Nur schwer konnten sich Reformer wie Scharnhorst oder August Graf Neidhardt von Gneisenau gegen die Widerstände im Offizierskorps und bei König Friedrich Wilhelm III. durchsetzen. Durch die Konvention von Tauroggen und das darauffolgende russisch-preußische Bündnis sah Scharnhorst die Gelegenheit, ganz Norddeutschland mit Hilfe von Volksaufständen und beweglichen Reitertruppen "aufzurollen". Vorbild war das Konzept der spanischen Guerilla von 1808 (Verkleinerungsform von guerra=Krieg, also "Kleiner Krieg"). Von ihm stammte das Konzept der "Freikorps" - das sollten Freiwillige sein, gut motiviert, die durch ihre eigene Ausrüstung den preußischen Staat nicht viel an Ausstattung – und noch weniger an Sold - kosten sollten.

Scharnhorst bewegte Friedrich Wilhelm III. zu einer Aufstellung von freiwilligen Jäger-Einheiten (Jäger-Detachements). Daraufhin gründete in Breslau auch der Major a.D. Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr v. Lützow (1782-1834) im Februar 1813 in Breslau ein Freikorps. Lützow war nicht der geborene Vertreter des „Kleinen Krieges“: Der ehemalige Berufsoffizier aus mecklenburgischen Adel besaß einschlägige Erfahrungen durch seine Teilnahme an den Streifzügen des Schillschen Freikorps 1809 gegen Napoleon und war einer der engsten - und scharfsinnigsten Vertrauten des Majors Ferdinand von Schills gewesen.

Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr v. Lützow

Bereits 1808 hatte Lützow zweimal versucht, in Ostfriesland einen Aufstand in Gang zu setzen. Aufgrund von Verletzungen war pensioniert worden. Beim Aufbau des Freikorps unterstützte ihn übrigens tatkräftig seine Ehefrau Elise, geborene Gräfin v. Ahlefeldt-Laurvig (1788-1855) anwarb. Im Freikorps nahm er vor allem „Ausländer“ auf - wobei darunter Bürger deutscher Staaten verstanden wurden, die Angehörige der Rheinbundstaaten oder gar französische Untertanen waren (wie z.B. die Einwohner des Herzogtums Oldenburg, das seit 1811 Teil des Kaiserreichs war). Nur ausgediente oder „ausländische" Offiziere, die einwandfreie Führung nachweisen konnten, sollten das Korps führen, um nicht den Bestand an aktiven Armeeoffizieren zu schwächen.

Als Zugeständnis wurde den Lützowern erlaubt, schwarze Uniformen tragen zu dürfen. Der Hintergrund war praktischer Natur: Da die Lützower größtenteils mit ihrer Zivilkleidung, wie Arbeitsblusen, Studentenkitteln und Bauernröcken anrückten, war schwarz die einzige Farbe, mit der sich durch Einfärbung eine einheitliche Uniformfarbe herstellen ließ. Ob die schwarze Farbe nicht auch eine Anlehnung die schwarzen Uniformen des Freikorps des Braunschweiger Herzogs Friedrich Wilhelm war, der 1809 in Sachsen und Nordwestdeutschland Streifzüge gegen Franzosen und Rheinbundtruppen unternahm, ist bislang unbekannt.

Das Korps setzte sich aus allen Schichten der Gesellschaft zusammen, doch waren Handwerker, Arbeiter und Akademiker überproportional vertreten, Tagelöhner und Knechte unterrepräsentiert. Beinahe die Hälfte der Lützower stammte aus Preußen, die Mehrheit aus Mittel- und Nordwestdeutschland. West- und Süddeutsche befinden sich kaum im Korps. Auch gut die Hälfte der 113 Offiziere stammte aus Preußen, der Rest aus Sachsen, Mecklenburg, Westfalen, Thüringen und Braunschweig. Im Korps befand sich weiterhin eine Tiroler Schützenkompanie, die eine eigene Einheit bildete und eine an ihre Landestracht angelehnte grau-grüne Uniform trug. Insgesamt dienten 4.000 Freiwillige im Korps, wobei die Kavallerie eine Stärke von 400 Mann und die Infanterie von 2.000 Mann besaß.

Die Desertionsquote lag aber deutlich über der von „regulären“ preußischen Einheiten, doch ist dieses Phänomen auch von den Freiwilligenverbänden des Amerikanischen Bürgerkriegs her bekannt. Die „Schwarze Schar“ war keine Einzelformation. Es gab eine Reihe ähnlicher Einheiten: z.B. die Freischar von Schill (geführt von Heinrich v. Schill, einem Bruder Ferdinand v. Schills), das Hellwigsche Freikorps, das Ausländer-Bataillon v. Reuß oder die Russisch-Deutsche Legion, später Deutsche Legion. Doch: Warum wurde ausgerechnet das Lützowsche Freikorps so berühmt?

Vor allem wegen ihrer prominenten Mitglieder. Da war der „Freiheitsdichter“ Theodor Körner, von dem auch der Text zu „Lützows wilde Jagd“ stammt. Dann der „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn und der bedeutendste Dichter der deutschen Romantik: Johann v. Eichendorff. Und nicht zuletzt: Der Erfinder des Kindergartens – der Pädagoge Friedrich Fröbel.

Theodor Körner
Wappen Preussen
Turnvater Jahn

Gerade Theodor Körners Schicksal lieferte den Stoff, aus dem Mythen sind. Im August 1813 ist er Lützows Adjutant. Am 26. überfallen Lützower Husaren und russische Kosaken einen französischen Wagentransport unweit Gadebusch auf der Straße nach Schwerin. 38 Wagen fallen in ihre Hände. An der Spitze eines Trupps setzt Körner den fliehenden Franzosen nach. In dem unübersichtlichen Waldgelände jagt ihm eine Kugel durch den Unterleib, zerschmettert das Rückgrat und tötet ihn – beinahe - auf der Stelle. Seine letzten Worte sind (angeblich): „Da hab ich eins – schadet weiter nichts!“ Als ihn Sekunden später sein Freund Hellfritz aus dem Steigbügel befreit, in den sich ein Fuß verheddert hat, hält er bereits den Leichnam in den Händen.

War Körner der männliche Held der Lützower unter lauter Männern, wurde das Schicksal einer Lützowerin erst Recht legendenhaft überhöht. Die Potsdamer Köchin Eleonore Prochaska (1785-1813) verkleidet sich als Mann und dient bei den Lützowern als Jäger „August Renz“. Bis zum Gefecht an der Göhrde/Wendland am 16. September 1814 hält die 28jährige Tochter eines preußischen Unteroffiziers ihre Identität geheim. Beim Sturmangriff nimmt sie einem gefallenen französischen Tambour die Trommel ab und schlägt unentwegt zur Attacke - bis eine Kugel ihren linken Schenkel durchschlägt. Schwer verwundet stirbt sie am 5. Oktober 1813 in Dannenberg. 1863 errichtete man ihr dort ein obeliskähnliches Denkmal; 1889 eine Gedenksäule auf dem Alten Friedhof in ihrer Heimatstadt Potsdam. Eine weitere Lützowerin war die Bremer Zimmermeisterstochter Anna Lühring (1796-1866), die sich als „Eduard Kruse“ aus Oldenburg ins Korps eingeschlichen hatte und bis zum Schluss im Korps bleiben durfte, obwohl ihr Vater inzwischen ihren Hauptmann auf ihren Betrug aufmerksam gemacht hatte. Der Säbel „des kleinen Kruse“ befindet sich heute im Bremer Focke-Museum.

Während ihrer einjährigen Bestehens nahmen die Lützower an zahlreichen Gefechten und Schlachten teil: zuerst Streifzüge in Sachsen und Thüringen, die bis nach Bayern führten. Am 17. Juni 1813 wurde die Kavallerieabteilung während eines Waffenstillstands durch französische Intrigen beinahe völlig aufgerieben - aber schnell neu organisiert.

Im sogenannten Herbstfeldzug 1813 kämpften sie sich die Elbe flussabwärts und eroberten zusammen mit Kosaken sogar Bremen, mussten aber die Stadt umgehend wieder räumen, als französische Verstärkung anrückte. Später fochten sie, meistens mit Kosaken, in Minden, Schleswig-Holstein und am Rhein. Teile der Kavallerie waren Anfang 1814 in den Niederlanden und Nordostfrankreich eingesetzt. Nach dem Einmarsch der Verbündeten in Paris und der Verbannung Napoleons nach Elba im April 1814 wurde das Korps aufgelöst und das Infanterie-Regiment Nr. 25 und das Ulanen-Regiment Nr. 6 umgewandelt.

Als Napoleon I. im März 1815 aus der Verbannung zurückkehrte und sich umgehend wieder an die Errichtung seiner Herrschaft machte, wurden auch die beiden Lützower Regimenter wieder in Frankreich eingesetzt. Lützow selbst wurde in der Schlacht von Ligny am 16. Juni 1815 von den Franzosen schwer verwundet gefangen genommen - er war unter seinem toten Pferd eingeklemmt worden und konnte nicht fliehen. Eine gewisse Gerechtigkeit trat zwei Tage später ein, als die Lützower in der Schlacht von Belle Alliance/Waterloo am 17./18 Juni 1815 teilnahmen und ihnen der Wagen Napoleons in die Hände fiel – mitsamt einer Schatulle mit allen Orden des Kaisers. Am 7. Juli zog die Lützower in Paris ein. Diesmal ging Napoleon endgültig in die Verbannung – auf die südatlantische Insel St. Helena, während die Lützower in Erfurt Standort nahmen. Lützow selbst blieb Berufsoffizier. Für seine Verdienste im Feldzug 1815 erhielt er das Eichenlaub zum Pour le Mérite und wurde zum Oberst befördert. 1830 Generalmajor, starb er am 6. Dezember 1834 an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Grab befindet sich auf dem Berliner Garnisonfriedhof.



© Copyright Grafiken und Text Marc Rosenthal, Lieutenant des preußischen Normal-Bataillons 2013.
Stand 19.Dezember.2013


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